RÄNDER NETZE PARASITEN UND SYMBIONTEN

LAND: Deutschland

ORT: Stuttgart, Deutschland 1997

PROGRAMM: Umnutzung

KUNDE: Privat

GRÖSSE: keine Angaben

STATUS: Studie

Die Bank XX ist eine 100 % Tochter der XY Bank. Unternehmensziel ist die Erreichung neuer Kundenschichten denen bislang die Bank als zu konservativ erscheint. Entsprechend dieser Kundenorientierung präsentiert sich die Bank und nutzt das Internet als Rahmen für das konservative Geschäft mit Geld.
Da aber die Nutzung des Internet und die Überlassung von Geld einer virtuellen Bank zwei Dinge sind, ist der Bank der Zugang zu weiteren Kundenschichten verbaut.

Die Adressenlosigkeit ist im Privatkundengeschäft ein Problem.
Die Bank XX versucht dies dadurch zu lösen, indem sie aus dem virtuellen Dasein im Internet eine reale Adresse in Stuttgart gründet.

Für die Bank ein Zugeständnis an das Anlageverhalten der Kunden, für die Stadt ein Problem!

Das Kerngeschäft der Bank wird über Telephon oder Internet abgewickelt, zwei Bereiche bei denen die Bank auch im innerstädtischen Bereich nicht an eine Zugänglichkeit der Öffentlichkeit interessiert ist.
Was hat also die Stadt von dieser Einrichtung, bzw. welchen Schaden nimmt die Stadt wenn Einrichtungen in die innerstädtischen Bereiche eindringen die nicht am urbanen Leben der Stadt teilhaben wollen sondern nur an der Adresse?

RÄNDER

"Klassische Ränder in der Stadt findet man als Industriebrachen, gross-städtischen Infrastrukturen , Verkehrsflächen, Militäranlagen. Diese sind im Stadtbild sichtbares Zeichen eines allgemeinen Strukturwandels. Sie zeichnen sich durch hohe Monofunktionalität und ein vom umgebenden Stadt - Kontext abgelöstes Raum - Zeitgefüge aus. Ihre Lage in der Stadt erklärt sich aufgrund alter Standortüberlegungen. Bei gegenwärtigen Standortüberlegungen werden ihre Funktionen leicht zum träger von Suburbanisierung."
(A.Bartels, I.Bölling; Löcher in Frankfurt)

Das Parkhaus mit seiner Monofunktion und seiner tageszeitlich bedingten, unterschiedlichen Belegung und Nutzung wird, wie oben definiert, zum negativen Imageträger städtischer Einrichtungen. Ein einzelner Rand am Standort wäre unproblematisch, zum städtischen Loch wird die Anhäufung derer am Standort. Grosse Versicherungen, Banken, monofunktionale Gebäude jeder Art verdichten sich dort und hinterlassen nach Ladenschluss ein Gebiet mit geringer Interaktions - Möglichkeit.

NETZE

Netze bestehen aus Linien die sich in bestimmten Abständen, den Knotenpunkten kreuzen. Sie können regelmässig oder unregelmässig aufgebaut sein. Der Eintritt in ein Netzwerk erfolgt sinnigerweise an den Knotenpunkten, bei Verkehrssystemen erhöht die Häufigkeit dieser die Zugangsbequemlichkeit, senkt aber die Geschwindigkeit im System.

Die räumliche Überlagerung der Netze am Parkhaus wird von der Bank zur Präsenz in allen Teilen ( U-Bahn, Strassennetz, Internet )genutzt .Dazu sticht das Bankgebäude durch alle Netze hindurch und übernimmt damit, wie schon am Parkhaus eine Verantwortung für die sie tangierenden Netze, hauptsächlich aber für das U-Bahn Netz. Es wird ein neuer Aufgang direkt aus der Unterführung in die Bankerschliessung geschaffen, ausserdem befindet sich ein Symbiont in der U-Bahn Ebene. Wichtig und notwendig ist hier vor allen Dingen ein Imagetransfer von der Bank zur U-Bahn.

PARASITEN

"Parasiten oder Schmarotzer sind im Tierreich weit verbreitet. Sie entnehmen ihre Nahrung anderen lebenden Wesen, die sie dadurch schädigen, aber meist nicht töten. Auf diese Weise unterscheidet sich der Parasit vom Raubtier. Doch bestehen keine scharfen Grenzen, wie es auch gleitende Übergänge zur Symbiose gibt."
( N.Linder Biologie )

Der Internet- und Telebankingbereich der Bank ist ein Stadtparasit.

Er ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich, noch ist er am regionalen Stuttgarter Kunden interessiert. Sein Markplatz ist global, die Entscheidung für die Stadt Stuttgart willkürlich.
Da keine regionalen Geschäftsbeziehungen eingegangen werden, kann der Parasit jederzeit den Wirt wechseln, wenn es den Interessen der Bank entspricht.
Die Parasiten unterscheiden sich denn auch baulich von den Symbionten, sie sind nicht in der Lage ins Parkhaus einzudringen und ihnen ist auch keine öffentliche Erschliessung zugeordnet.

SYMBIONTEN

"Symbiose nennt man das Zusammenleben verschiedener Arten, wobei in der Regel jeder Partner von diesem Zusammenleben Vorteile hat.
Doch gibt es zahlreiche Übergänge von einer ausgeglichenen Symbiose bis zur überwiegenden oder völlig einseitigen Ausnutzung des einen Partners; Letzteres führt zum reinen Parasitentum."
( N. Linder Biologie )

Im Symbiontenteil der Bank XX befinden sich Funktionen, die einerseits der Öffentlichkeit zugänglich sind oder die Funktion derer gewährleisten.

Der Ablauf der Symbiose:
Die Bank XX darf den Standort des Parkhauses nutzen. Sie profitiert dadurch von der Frequentierung unterschiedlichster Parkhausbenutzer die den Erschliessungsteil der Bank , der dem Parkhaus vorgelagert ist , benutzen.
Zudem sind Parkhäuser im innerstädtischen Bereich eine feste, meist bekannte Adresse. Die Bank übernimmt diese gleichsam.
Das Parkhaus profitiert vom positiven Image einer Bank, dass dem eines Parkhauses entgegengesetzt ist ; eine Bank ist sicher, sauber, hell etc. Die Bank übernimmt somit gewollt oder ungewollt eine Art Patenschaft für das Parkhaus um ihr eigenes Image nicht im negativen Umfeld zu beschädigen.
Da sich Symbiose aber nicht auf die Oberfläche zweier Organismen beschränkt, sind die Symbionten in der Lage auf veränderte Situationen und Tagesabläufe im Parkhaus zu reagieren. Sie sind beweglich und können ins Parkhaus eindringen. Sie tragen Infrastrukturen mit sich, durch die im Parkhaus Veranstaltungen verschiedenster Art durchgeführt werden können.

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