FALTUNG DER PARZELLE

ORT: Tübingen, Deutschland 1997

PROGRAMM: Neubau

KUNDE: Privat

GRÖSSE: keine Angaben

STATUS: Studie

ANALYSE

Die kleinste Einheit der Stadt ist die Parzelle.

Parzellen sind Teile des städtischen Baubodens, über die ein Eigentümer mit einer relativen Autonomie verfügen kann. Einschränkungen werden durch den rechtlichen und nachbarschaftlichen Rahmen gegeben. Innerhalb diese Rahmens aber, finden dynamische Veränderungen im Mikromaßstab statt, wie der Wechsel von Nutzen und Nutzungen, Veränderungen des Inneren und Äußeren der Bauten.

(aus Stadtstruktur und Stadtgestaltung v. G.Curdes )

KONZEPT

Wie die Stadt dem Benutzer Raum und Struktur zur Verfügung stellt, so dient auch dieses Gebäude als konstruktiver Rahmen, innerhalb dessen sich verschiedenste Nutzer Parzellen aneignen und diese im vorgegebenen Rahmens bebauen und gestalten.

Das Gebäude wird zum fortlaufenden Band, das strukturell aus der Stadt herauswächst, es übernimmt die Struktur der Parzelle und als Addition der Parzelle die Großform des Blocks.

GEBÄUDE

Das Band übernimmt durch Faltung die Funktion des Bodens, der Wände und der Decke. Außen wird zu Innen und Innen wird zu Außen.

In den Zwischenräumen erfolgt die Bebauung mittels Boxen unterschiedlichster Nutzung.

Die horizontale Faltung ermöglicht die einfache Differenzierung der Bereiche.

Eine Trennung findet aber nicht statt.

NUTZUNG

Ganz offensichtlich besteht ein deutlicher Widerspruch zwischen der Tendenz, Nutzungen aus Gebieten auszuschließen, und den vitalen Bedürfnissen unmittelbarer möglichst wenig geregelter ökonomischer und sozialer Lebensverwirklichung.

Jeder kennt die anregende Atmosphäre und die hohe Funktionalität stark durchmischter Gebiete, eines fast chaotisch anmutenden Durcheinanders, wie es in Stadtkernen des Orients, im Mittelmeerraum und in vielen Städten der Entwicklungsländer anzutreffen ist. Hier zeigen sich nicht nur verschiedene Entwicklungsstufen, sondern auch verschiedene Ordnungskonzepte. Ein weniger stark geregeltes Nebeneinander enthält zwangsläufig auch einen größeren Freiheitsgrad für den einzelnen, aus dem möglicherweise auch eine größere Akzeptanz gegenüber damit verbundene Störungen erwächst. Eine weniger stark reglementierte Nutzungszonierung überläßt also der Gesellschaft einen größeren Spielraum der Selbstregelung.

In dem ständigen Anpassungsprozeß von räumlicher und sachlicher Nachfrage und Angebot können offenere Systeme eine Anpassung flexibler bewältigen als durchgeregelte Ordnungsentwürfe.

(aus Stadtstruktur und Stadtgestaltung v. G.Curdes )

EBENE 0

Auf der Ebene 0 findet der Besucher wie in einer Markthalle verschiedenste Angebote, die auf den Kelternplatz und die Hintere Grabenstrasse überspringen, die Fassaden dazu lassen sich weitgehend öffnen, Bodenbelag und Stassenniveau ziehen sich in Gebäude hinein.

Nutzungen : Cafe, Boxen als Marktstände, Kino

EBENE 1

Ebene 1 beinhaltet eine Mediathek die als offen Landschaft angelegt ist.

An festen Stationen können Dienstleistungen angenommen werden, größere Boxen sind räumlich abschließbar.

Nutzungen : Lesesaal, Verwaltung, Ausleihe, Mediaboxen, Vortragssaal

EBENE 2 UND 3

Ebene 2 und 3 befinden sich gemeinsam in einer Falte. Die eingestellten Volumen sind zweigeschossig und enthalten eine innere Erschliessung. Jedem ist ein eigener Freibereich zugeordnet.

Nutzungen : Ebene 2-Büros, Ebene 3-Wohnungen

EBENE 4

Auf der Ebene 4 liegt ein Schwimmbad mit kostenlosem Blick über Tübingen.

Durch die aufgekanteten Lichtkanonen werden die darunterliegenden Gärten belichtet.

Nutzungen : Sonne, Mond und Sterne

TEAM

SCHWESINGER ARCHITEKTEN

BILDER

SCHWESINGER ARCHITEKTEN